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Die Erleuchtung im
Buddhismus, Advaita-Vedanta und der Christlichen Mystik

Erleuchtung aus Buddhistischer Sicht
Erleuchtung (Bodhi, Erwachen) bedeutet zu erkennen, dass das erlebte Ich (Selbst, Atman), keine selbständige und unabhängige Existenz besitzt. D.h. es gab nie eine Art ewige "Seele" oder sonstwie ein beständiges Selbst, welches wir in Wirklichkeit wären. Es gibt kein real existentes Ich als Entität (anatman, anatta). Alles ist Leer (Shunyata) von etwas Dauerhaften und Eigenständigem.

Die buddhistische Praxis
Die Überwindung der Täuschung, bzw. Unwissenheit (avidya) ein beständiges Ich zu sein, liegt nach der Lehre des Buddha in der klaren Erkenntnis, dass alles vergänglich ist (anicca) und es also auch kein unvergängliches Ich (anatta) geben kann, sowie, dass es in der weltlichen Existenz keine absolute Zufriedenheit geben kann (dukkha). Was üblicherweise als "Leiden" übersetzt wird, hieß bei Buddha Dukkha, was eher soviel wie - Unvollkommen oder Unbefriedigend bedeutet. Um Erleuchtung zu erlangen lehrte Buddha Vipassana Bhavana, Einsichts-Meditation. In dem berühmten Maha Satipatthana-Sutta erklärt er, dass diese Meditation der einzige Weg sei. Sie besteht im Grunde einfach darin, allen äußeren und inneren Aktivitäten, allen Gefühlen, Gedanken, sogar des eigenen Bewusstseins bewusst zu sein.

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Erleuchtung aus Sicht des Advaita
Erleuchtung bedeutet zu erkennen, dass dieses eigenständige "Ich", als welches wir uns erleben, in Realität nichts als ein vergänglicher Schatten ist. Es gibt nur ein einziges, Ungetrenntes welches Brahman genannt wird. Das scheinbar eigenständig existierende Ich (Atman) ist nichts als eine zeitliche Erscheinung in Brahman. Shankara (788-820) erklärt es so: Brahma satyam jagat mithya, jivo brahmaiva naparah - Nur Brahman (das Absolute) ist real, das Vergängliche (die Welt) ist Illusion, aber Brahman und der Mensch (das Vergängliche, die Welt) sind letztlich nicht voneinander verschieden. Damit ist der Mensch per se existent, aber die Idee als Mensch etwas Eigenständiges zu sein, ist die Illusion welche es zu überwinden gilt.

Die Praxis des Advaita
Shankara baute seine Lehre auf zentralen Vedischen Grundsätzen auf, welche allesamt daraufhin deuten, dass der Mensch und Gott nicht zwei sind. a-dvai-ta, a(nicht)-dvai(zwei). Wenn die Täuschung (ein getrenntes Ich zu sein) eben nichts als eine Täuschung ist, so wird diese in einer eingehenden Untersuchung auch als solches enthüllt werden. So wie die vermeintlich gefährliche Schlange sich auf den zweiten Blick als harmloses Seil entpuppt. Shankaras Anweisung lautet: Drg drshia viveka. Die Unterscheidung des Sehenden vom Gesehenen. D.h. um herauszufinden, was die wahre Natur des Menschen ist, gilt es das zu untersuchen, welches man zu sein glaubt (Atman). Wann immer man etwas findet, welches man zu sein glaubt, so wird dieses gerade durch das Finden zum Erkenntnis-Objekt (das Gesehene) - und kann also nicht das wahre Wesen (Brahman) sein. Folgt man dieser Übung bis zu seinem Ende, fällt die scheinbare Dualität (dvaita) Seher/Gesehenes in sich zusammen und die Einheit von Brahman und Atman ist mystisch erkannt (advaita). Einer der bekanntesten Vertreter dieser Methode war Ramana Maharshi. Seine einfache Anweisung war, empirisch (nicht mental) nach der wahren Quelle seiner selbst (Ich, Selbstbewusstsein) zu suchen. Er nannte seine Technik Atma-Vichara, was Selbst-Erforschung bedeutet: Wer bin ich?

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Erleuchtung aus Sicht der christlichen Mystik
Erleuchtung bedeutet die Erkenntnis der Einheit des Menschen mit Gott (unio mystica). Der Mensch existierte nie als etwas eigenständiges, von Gott unabhängiges, denn er besteht aus Gott. (Gen. 2,7) "Da machte der HERR den Menschen (adam) aus Acker-Erde (adama) und blies ihm seinen Lebens-Atem (nischmat) in die Nase. Und so ward der Mensch eine lebendige Seele (nefesch chaja)". Diese Einheit in Gott ist der ur-paradiesische Zustand. Der Mensch entwickelte aber (mittels der Frucht der Erkenntnis) verstandesmäßige Unterscheidungskraft. Da er aber mit dieser Geistes-Gabe nicht umgehen kann, verfällt er dem Wahn, von Gott getrennt zu sein. Darin liegt der wahre Verlust des Paradieses und die Bedeutung des Sündenfalls (Sünde, im hebräischen nur: das Ziel (hier: Gott) zu verfehlen). Der Mensch war nie ein eigenständiges, auf reale Weise von Gott getrenntes und verschiedenes Wesen. Es gab immer nur Gott und alles was existiert (incl. der Mensch und seine Seele) wurde aus IHM geschaffen - und ist also ER.

Die Praxis der christlichen Mystik
Hier gibt es keine eindeutigen Lehren oder Anweisungen, doch in der Mystik der abrahamischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) hat die liebende Hingabe an Gott eine zentrale Stellung. So waren z.B. die beiden wichtigsten Gebote Jesu, Gott und seinen Nächsten zu lieben (Mk 12,29ff). Die mystische Liebe ist die vollkommene Selbstaufgabe, in der sogar alle menschliche Liebe (zu Gott) aufgegeben werden muss. "Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin" - Psalm 46,11. Während es in jeder anderen Haltung immer einen Handelnden und ein Ziel gibt, ist die mystische Liebe reine Kontemplation. Also der Bewusstseinzustand, in dem der Mensch sich selbst nicht mehr als den Handelnden betrachtet, sondern (selbst in weltlicher Aktivität) in reinem Wahrnehmen aufgeht. "Willst du Gott auf göttliche Weise wissen, so muss dein Wissen zu einem reinen Unwissen und einem Vergessen deiner selbst und aller Kreaturen werden und Nichts, das durch die Sinne eingebracht wird, kann dies bewerkstelligen" -Meister Eckhart


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